
Denkt man an die Verfolgung und Bestrafung von nationalsozialistischen Gewaltverbrechern nach dem Zweiten Weltkrieg, so kommen dem historisch Interessierten womöglich zunächst die von den alliierten Siegermächten durchgeführten »Nürnberger Prozesse« oder die maßgeblich von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer initiierten »Auschwitz-Prozesse« in den Sinn. Weniger im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dagegen die Strafverfahren, die die deutsche Justiz bereits 1945, wenige Wochen nach dem Zusammenbruch, »unter Aufsicht« der Besatzungsmächte gegen mutmaßliche NS-Täter durchführte. In der vorliegenden Arbeit werden diese Strafverfahren für den geografisch abgegrenzten Bereich des Landgerichtsbezirks Augsburg untersucht und in die gesamtdeutsche Aufarbeitung eingeordnet. Der Autor zieht das Fazit, dass bei der Strafjustiz in Augsburg durchaus ein Wille zur Strafverfolgung erkennbar ist, wobei einzelne Justizjuristen besonders hervorzuheben sind. Auf der anderen Seite konnten jedoch auch etliche Fälle zutage gebracht werden, bei denen auf die von der höheren und obersten Rechtsprechung entwickelten Auslegungen und dogmatischen Figuren zurückgegriffen wurde.
Table of contents:
Einleitung
Thema und Problemstellung – Forschungsdesiderat – Quellenlage – Struktur der Studie
1. Rahmenbedingungen für die Verfolgung von NS-Verbrechen durch die nachkriegsdeutsche Justiz
Einführung – Stillstand und Neuorganisation der Rechtspflege – Überblick über die frühe Verfolgung von NS-Kriminalität – Materiellrechtliche Grundlagen der Ahndung von NS-Kriminalität durch die westdeutsche Justiz – Tatsächliche Herausforderungen bei der Wiedereröffnung der Gerichte
2. Quantitativer Überblick
Anzahl der geführten NS-Verfahren – Deliktskategorien – Tatorte und Zuständigkeit
3. Verfahren im Einzelnen
Delikte im Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Machtergreifung – Antisemitische Straftaten – Endphaseverbrechen – Lagerverbrechen und Verbrechen zulasten von Zwangsarbeitern – Denunziationen – Kriegsverbrechen – Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee
4. Synthese
Anlass für die Verfahrenseinleitung – Verfahrensgang – Emigration jüdischer Tatzeugen und der Umgang seitens der Justiz hiermit – Schwurgerichtspraxis – Auslegungsfragen – Strafzumessung
Schlussbetrachtung
Anhang
Tabellarische Übersicht über NS-Verfahren im LG-Bezirk Augsburg 1945–1958
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