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13 May 2025

CALL FOR PAPERS: Conference: 'Strategien und Justiz: Geschichte strategischer Prozessführung in Deutschland', 27. Jahrestagung des Forums Justizgeschichte (Wustrau, 26-28 September 2025) (DEADLINE: 31 May 2025)

27. Jahrestagung, Strategien und Justiz: Geschichte strategischer Prozessführung in Deutschland

Geschichte strategischer Prozessführung in Deutschland

In Rechtsstaaten mobilisieren Personen und Gruppen das Recht zur Veränderung von Politik und Gesellschaft. So klagt vor dem Oberlandesgericht Hamm der Landwirt und Bergführer Saúl Luciano Lliuya gegen den Energiekonzern RWE: Er will erreichen, dass sich der Konzern anteilig an Kosten für Schutzmaßnahmen gegen eine Flutwelle durch den Gletschersee Palcacocha beteiligt. In Karlsruhe gehen Pflegekräfte gerichtlich gegen die Zustände in deutschen Heimen vor; in Straßburg wehren sich Flüchtlinge aus Mali juristisch gegen Rückschiebungen an der spanischen EU-Außengrenze; Opfer eines Fabrikbrandes in Pakistan verlangen Schadenersatz von einem deutschen Discounter; Jemeniten verklagen die Bundesregierung wegen der Beteiligung an tödlichen Drohneneinsätzen.

Strategische Prozessführung ist ein schillernder Begriff, Definitionen gibt es viele. Von traditioneller Prozessführung unterscheidet sich „strategic litigation“ (auch: „impact litigation“ oder „public interest litigation“) jedenfalls darin, dass sie jenseits des Prozesserfolgs der vertretenen Partei im jeweiligen Einzelfall auch gesellschaftliche Veränderung anstrebt. Mit strategischen Klagen in ausgewählten Fällen sollen Präzedenzentscheidungen mit Breitenwirkung erstritten werden, mit massenhaften Verfahren wird (politischer) Druck erzeugt, mit Selbstanzeigen oder Aktionen des zivilen Ungehorsams werden Prozesse zur öffentlichen Skandalisierung ungerechter Straftatbestände initiiert. Verteidigung oder Nebenklage können die Bühne eines politischen Strafprozesses nutzen, um gesellschaftliche Zustände und staatliche Praktiken zu kritisieren.

Es geht also um Aktivismus mit Mitteln des Rechts (Christian Helmrich). Zwischen dem Kaiserreich, der Weimarer Republik und der Bundesrepublik haben unterschiedliche Akteur:innen auf verschiedenen Rechtsgebieten strategische Prozesse geführt: Für Arbeits- und soziale Rechte, für die Gleichberechtigung der Geschlechter, gegen Diskriminierung und Antisemitismus, für den Mieter- oder Umweltschutz.

Für Gerichte ist strategische Prozessführung eine Herausforderung: Wie gehen deutsche Richter:innen damit um, wie reagieren die Prozessordnungen und -kulturen auf Verfahren, in denen Beteiligte übergeordnete Ziele jenseits des konkreten rechtlichen Erfolgs verfolgen? Und welche Seite der – vermeintlich so unpolitischen – Justiz zeigt sich dabei? Interdisziplinär ließe sich diskutieren, inwiefern strategische Prozessführung justizielle Expert:innen weiter ermächtigt und wie insgesamt ihre (möglichen) gesellschaftlichen Wirkungen einzuschätzen sind. Die gegenwärtige politische Entwicklung drängt schließlich zur Frage, welche strukturellen verfassungsstaatlichen Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit strategische Prozessführung überhaupt Erfolge erzielen kann.

Wir suchen Beiträge auch junger Wissenschaftler:innen, die sich mit diesen oder benachbarten justizhistorischen Fragen beschäftigen. Eine Darstellung des vorgeschlagenen Beitrags (max. 500 Wörter) und ein kurzer Lebenslauf sind erwünscht. Einsendungen bitte bis zum 31. Mai 2025 an: info@forum-justizgeschichte.de.

Kontakt

info@forum-justizgeschichte.de

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21 September 2020

BOOK: Marianne HOLDGAARD, Auður MAGNÚSDÓTTIR & Bodil SEMER, Nordic Inheritance Law through the Ages Spaces of Action and Legal Strategies (Brill/Nijhoff: Leiden/Boston, 2020). ISBN: 9789004427358, pp. 418, €129.00

Cover Nordic Inheritance Law through the Ages
(Source: Brill)

ABOUT  THE BOOK

Series: Legal History Library, Volume: 38

Nordic Inheritance Law through the Ages – Spaces of Action and Legal Strategies explores the significance of inheritance law from medieval times to the present through topical and in-depth studies that bring life to historical and contemporary inheritance practices. The contributions cover three themes: status of persons and options in the process of property devolution; wills, gift-giving and legal disputes as means to shape the working of the law; processes of inheritance legislation. The authors focus on instances where legal strategies of various actors particularly reveal inheritance law as a contested and yet constrained space of action, and somewhat surprisingly show similar solutions to family law issues dealt with in other Western European countries. 

Contributors are: Simone Abram, Gitte Meldgaard Abrahamsen, Per Andersen, Agnes S. Arnórsdóttir, John Asland, Knut Dørum, Thomas Eeg, Ian Peter Grohse, Marianne Holdgaard, Astrid Mellem Johnsen, Már Jónsson, Mia Korpiola, Gabriela Bjarne Larsson, Auður Magnúsdóttir, Bodil Selmer, Helle I. M. Sigh, and Miriam Tveit.

ABOUT THE AUTHORS

Marianne Holdgaard is Professor of Family and Inheritance Law, and heading the FamLaPP Research Centre at University of Aalborg, Denmark. Her research revolves around the interconnection between family and inheritance law, especially regarding children’s (lack of) legal and de facto rights to inheritance in various (non-)legal family forms. 

Auður Magnúsdóttir is Associate Professor in History at the Department of Historical Studies, University of Gothenburg. Her main research interests concern power and political culture, as well as kinship and gender relations in medieval Iceland and Scandinavia. 

Bodil Selmer is Associate Professor at The Institute of Culture and Society, Aarhus University. She specializes in Legal Anthropology and Kinship Studies. Her most recent research concerns the meaning of material and financial inheritance as affecting life prospects, identity and sense of belonging.

TABLE OF CONTENTS

Available at Brill's website.


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